Lymphödeme

Allgemeines:

Lymphbahnen sind Gefäße, durch welche die Lymphe im Körper transportiert wird. Als Lymphe wird die hellgelbe Flüssigkeit bezeichnet, die sogenanntes Lymphplasma und weiße Blutkörperchen, sogenannte Lymphozyten, enthält.

Zwischen den Lymphbahnen im Körper sind immer wieder Lymphknotenstationen eingebaut. Die Lymphe fließt in den Lymphbahnen zu den Lymphknotenstationen und wird dort in den einzelnen Lymphknoten gefiltert, d.h. während ihrer Passage durch die Lymphknoten wird die Lymphe von “negativen” Bestandteilen gereinigt. Es werden z.B. Mikroorganismen oder Gifte, sogenannte Toxine, der Lymphflüssigkeit entzogen.

Ist der Fluss der Lymphe im lymphatischen Gefäßsystem gestört, dann kann es zu einer Wassereinlagerung und Schwellung kommen. Man nennt das ein lymphostatisches proteinreiches Ödem. Das bedeutet, dass der betroffene Körperteil seinen Umfang zum Teil auf groteske Weise verändert, er ist nicht mehr nur einfach geschwollen, sondern sichtlich prall mit Körperwasser gefüllt.

Klinisch bedeutsam sind diese Schwellungen im Bereich der Beine und der Arme. Sie entstehen dort häufig als Folge einer Entfernung von Lymphknoten und der Bestrahlung der Brust im Rahmen einer Brustkrebstherapie.

Häufigkeit:

Es gibt keine genauen Zahlen über das Vorkommen von Lymphödemen, bekannt ist nur, dass es sich hier um eine vergleichsweise seltene Erkrankung handelt. Nach einer größeren Studie beläuft sich das Verhältnis von erkrankten Frauen zu erkrankten Männern auf 9:1.

Meist tritt die Erkrankung bei jungen Patienten zwischen dem 15. und 20. Lebensjahr auf. In diesem Fall spricht man von dem Lymphoedema praecox.

Nur bei rund 17 % der Erkrankten bricht die Krankheit nach dem 35. Lebensjahr aus. Man spricht dann von dem Lymphoedema tardum.

Ursachen:

Man unterscheidet bei den Lymphödemen je nach Ursache primäre und sekundäre Formen:

Primäres Lymphödem:

Beim primären Lymphödem handelt es sich um eine angeborene chronische Transportstörung der Lymphe
infolge einer Fehlbildungen des Lymphgefäßsystems. Die meisten Patienten erkranken zwischen dem 15. und 20. Lebensjahr. In 50% der Fälle ist das Ödem auf ein Bein beschränkt, aber bei weiteren 50% tritt nach Monaten oder Jahren auch noch eine Schwellung am anderen Bein auf. Frauen erkranken hieran ungleich häufiger als Männer.

Sekundäres Lymphödem:

Die Ursachen des sekundären Lymphödems sind vielfältig. Meist tritt es nach Operationen auf. Zum Beispiel kommt es nach Brustkrebsoperationen häufig zu Lymphödemen an den Armen.

Grundsätzlich aber kann das Lymphödem auch durch Verletzungen oder Verstauchungen ausgelöst werden, sowie durch Narben unterschiedlicher Herkunft. Als auslösende Ursache sind sogar Parasiten bekannt. Die Vertreter dieser Parasitengattung werden Filariose bancroftie genannt.

Außerdem sind verschiedene Formen von Krebs auslösende Faktoren. Als wichtigste Vertreter kann man hier die bösartigen Lymphknotenerkrankungen wie den sogenannten Morbus Hodgkin oder Leukämien hervorheben.

Entzündliche Lymphödeme kommen ebenfalls bei den sogenannten Lymphangitiden vor. Lymphangitiden sind Entzündungen der Lymphbahnen.

Bedingt, meistens durch Entzündungsvorgänge kann es zu Lymphbahnverschlüssen, sogenannten obliterierten Lymphgefäßveränderungen kommen.

Durch den Verschluss der Lymphgefäße kommt es zu einer Zunahme des Lymphdrucks. Durch diesen Druck in den betroffenen Gefäßen kommt es zu einem Flüssigkeitsaustritt aus den Lymphbahnen in das umliegende Gewebe. Dieser Flüssigkeitsaustritt führt dann zu einer sichtbaren Schwellung der betroffenen Region, was man dann als Lymphödem bezeichnet.

Seltener entsteht das Lymphödem aufgrund einer veränderten Zusammensetzung der Lymphflüssigkeit. Auch bei dieser Störung kommt es zu einem Flüssigkeitsaustritt aus den Lymphbahnen in das umliegende Gewebe und folglich zur Schwellung.

Symptome:

Das Lymphödem zeigt normalerweise keine besonderen Verfärbungen und ist nicht schmerzhaft.

Das primäre und das sekundäre Lymphödem unterscheiden sich jedoch in ihrer körperlichen Ausbreitung.

Das primäre Lymphödem breitet sich im Krankheitsverlauf von Zehen und Fußrücken beginnend, über die Knöchelregion zum Unter- und schließlich Oberschenkel aus.

Das sekundäre Lymphödem breitet sich häufig von der Achsel oder der Leiste nach unten aus.

Man unterscheidet klinisch vier Lymphödemstadien:

  • Stadium O: Keine Schwellung
  • Stadium I: Ödem von weicher Konsistenz, bei entsprechenden Maßnahmen vollständig rückgängig
  • Stadium II: Ödem mit sekundären Gewebsveränderungen, nicht mehr vollständig rückgängig
  • Stadium III: Elephantiastische harte Schwellung, häufig lobuläre Form mit typischen Hautveränderungen.

In fortgeschritteneren Stadien des Lymphödems kommt es meist zu Hautveränderungen. Die Haut ist gereizt und wirkt entzündet. Außerdem kommt es unter den Hautveränderungen zu einer Rötung mit Bläschen, Krustenbildungen und Schuppungen auf den betreffenden Hautarealen. Diese Veränderungen nennt man Ekzem. Dazu kommen oft noch sogenannte trophische Störungen des Gewebes im Gebiet des Lymphödems, also eine stoffwechselbedingte Störung der betroffenen Extremität. Im schlimmsten Falle können die obersten und schließlich die tiefer gelegenen Hautschichten im Bereich des Lymphödems zerstört werden. Diese Zerstörung der oberflächlichen Hautschichten nennt man dann eine Erosion. Die Zerstörung der tiefer gelegenen Hautschichten heißt Ulkus.

Ärztliche Untersuchung:

Die Diagnose eines Lymphödems wird im wesentlichen an Hand des klinischen Erscheinungsbilds des Patienten gestellt.

Beim Lymphödem des Beines sind im Gegensatz zum venösen Ödem die Zehen mitbetroffen und quaderförmig angeschwollen. Die Zehen bezeichnet man dann als sogenannte Kastenzehen. Infolge der Schwellung kann die Haut auf den Zehen nicht mehr abgehoben werden kann. In diesem Fall spricht man von einem positiven Stemmer-Zeichen, welches wegweisend für die Diagnose eines Lymphödems ist.

Ein weiteres Kennzeichen sind tief einschneidende Querfalten an den Zehen. Es kann ebenfalls vorkommen, dass die Unterseiten der Zehen warzig und rau sind. Dies nennt man dann Papillomatosis cutis und ist eine typische Begleiterscheinung beim Lymphödem.

Normalerweise reicht das klinische Erscheinungsbild des Patienten aus, um die Diagnose Lymphödem zu sichern.

Therapie:

Die Therapie des Lymphödems ist schwierig. Eine vollständige Heilung darf in der Regel nicht erwartet werden. Es gibt Therapiemaßnahmen, die den Krankheitsverlauf mildern sowie einige Regeln, die die Betroffenen beherzigen sollten.

Patienten mit einem bereits bestehenden Lymphödem sollten sich vor Verletzungen hüten, auch vor Bagatellverletzungen z.B. im Haushalt. Außerdem sollten diese Patienten keine enge oder einschnürende Kleidung, wie beispielsweise Büstenhalter oder Strumpfhalter tragen.

Bei Vorliegen eines Armlymphödems darf an dem betroffenen Arm keine Armbanduhr getragen werden. Es sollte an diesem Arm auch weder regelmäßig Blutdruck gemessen noch Blut entnommen bzw. Injektionen verabreicht werden.

Bei den ersten Anzeichen einer Entzündung wie Hautrötung, Fieber oder Schüttelfrost, sollte der Patient sofort einen Arzt aufsuchen.

Der Patient kann im Rahmen einer komplexen physikalischen Entstauungstherapie selbst eine Bewegungstherapie mit Lockerungs- und Entspannungsübungen durchführen und seinen Zustand durch individuell auf das vorliegende Ödem zugeschnittenen Entstauungsübungen verbessern.

Wesentlicher Bestandteil der Therapie ist eine fachgerecht durchgeführte manuelle Lymphdrainage. Die Lymphdrainage ist eine Form der Streichmassage, um die Lymphstauung zu vermindern. Hierbei wird mit den Fingerkuppen auf der Haut in Richtung der Lymphbahnen ein Druck ausgeübt, um die gestauten Lymphbahnen zu entleeren. Sie wird von einer adäquaten Kompressionstherapie begleitet. Dabei werden unter anderem auch Kompressionsstrümpfe für Arme und Beine benutzt. Die Kompressionstherapie ermöglicht durch einen dauerhaften mäßigen Druck auf das darunter liegende Gewebe eine Entstauung der Lymphgefäße.

Eine weitere Möglichkeit zur Entstauung stellt die intermittierende pneumatische Kompressionsbehandlung mit Druckstiefeln verschiedener Ausfertigung dar, d.h. der Patient wird immer wieder an den unteren Extremitäten mit speziellen medizinischen Stiefeln behandelt. Diese Stiefel üben einen dosierten Druck auf das Ödem auf und führen ebenfalls zu einer Entstauung der Lymphbahnen und schließlich zu einer Abnahme des Lymphödems.

Modifiziert nach Prof. Dr. med. Curt Diehm

Wichtiger Hinweis: zur Zeit je nach Art der Untersuchung und Dringlichkeit Wartezeiten von bis zu 4 Monaten! Je nach Umfang der Untersuchungen Verweildauer von 1/2-3 Stunden! Bringen Sie bitte genug Zeit mit!